Im Murgtal, insbesondere in Baiersbronn, war die Flößerei ab dem 15. Jahrhundert ein weit verbreitetes Handwerk. Durch das Tal fließt die Murg, die dem Tal ihren Namen gab und die größten Täler des Schwarzwaldes durchströmt. Die Flößer nutzen diesen Fluss als Transportweg. Besonders gefährlich beim Flößen war der Eisgang , in dem die Wege der Murg vereist waren, sowie die Fahrten durchs Wehr, welches ein Gefälle über einem Meter haben konnte und bei dem die Flößer manchmal tief ins Wasser gerieten. Hinter dem Wehr befanden sich oft Strudel und Untiefen. Auf diese Gefahren gerüstet zu sein hatte der Floßherr auf dem ersten Floß eine Glocke, mit der Alarm geschlagen wurde, um die nachfolgenden Flößer zu warnen und diese mit Vorsicht die gefährlichen Passagen durchqueren konnten. Trotz allem gingen viele Flöße durch die Strudel zu Bruch und einige Männer verunglückten. Schnell entstand ein Aberglaube. Die tückischen Wehre mit seinen Gefahren muss das Werk eines Teufels sein - Eines Murgschmoddlers. Viele glaubten nicht an die Fantasie der abergläubischen Leute und traten dieser mit Spott gegenüber.

Ein Schlachtruf der Flößer, wenn die Fahrt zu schnell wurde: „Jogele-Sperr"
Der Sage nach wurde der junge Michel im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal von seinem erfahrenen Vater zur Flößerfahrt mitgenommen. Auf der Überfahrt spotteten die Flößer über einen Teufel, was ihm nicht gefiel. An einem sehr stark ausgeprägten Wehr ertönte wie immer vom Floßherr geschlagen die Signalglocke. Alle Flößer bereiteten sich vor und hielten ihre Floßhaken fest in der Hand. Doch dieses Mal waren die Ausmaße der wildsprudelnden Wassermassen hinter dem Wehr, schlimmer als je zuvor. Das erste Floß sinkt direkt tief ein, die Strudel ließen es nicht schnell genug wieder frei. Das zweite und dritte Floß folgte. Die Flößer kämpften, stoßten und zogen mit ihren Haken. Die gebündelten Holzstämme stießen sich gegenseitig und zerschellten regelrecht durch die Wucht, mit der sie gegen die Steine und Felsen geschwemmt wurden. Die Männer mussten abspringen, wurden in den Fall der Murg, über das Wehr gezogen und nach unten gedrückt. Alle versuchten sich aus dem rauschenden Strudel zu befreien. Der junge Michel schaffte es zur Seite zu paddeln und rettete sich an einem langen Ast der zu Wasser hing. Er zog sich an Land. Am Bachrand wurde ihm beim Anblick der zerschlagenen Baumstämme, die nun der Wege der Murg folgten, die Katastrophe klar.

Keiner der Flößer war mehr zu sehen. „Murgschmoddler", flüstert Michel mit tränenden Augen zu sich. Die Glocke des längst zerschlagenen Floßes ertönte. "Es gibt ihn wirklich".

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